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Friedrich und Isabel Vogel-Stiftung vergibt vier Preise für herausragenden Wirtschaftsjournalismus

Die Friedrich und Isabel Vogel-Stiftung hat bereits zum 31. Mal Preise für ausgezeichneten Wirtschaftsjournalismus vergeben: Drei Hauptpreise und ein Nachwuchspreis gingen an Journalisten und Journalistinnen aus Druckmedien und Fernsehen. Die feierliche Verleihung fand am 23. November 2016 mit freundlicher Unterstützung der Allianz Deutschland in der Niederlassung der Allianz Deutschland AG in Frankfurt am Main statt.

Die Hauptpreise (jeweils 3.000 Euro)


1. Steffen Clement (Hessischer Rundfunk)
Minuszinsen (Negativzinsen für Kommunen)
Plusminus, ARD-Fernsehen, 1. Juni 2016

Urteil der Jury: Steffen Clement nähert sich dem Paradoxen betont sachlich und lässt die Fakten sprechen – die sind seltsam genug: Es geht um die Ausnutzung der sogenannten Negativzinsen durch kommunale Kämmerer; um die Verblüffung von gestandenen Sparkassenmanagern und die bizarre Politik der EZB. Für den Zuschauer werden die Sachverhalte einleuchtend erklärt, die Grafiken unterstützen, und die schwer verständliche Situation wird fassbar: Warum man fremdes Geld derzeit annehmen kann und dafür noch weiteres Geld dazubekommt. Und dass das, aus Sicht mancher Politiker leider, nicht ewig so weitergehen kann – das dicke Ende dürfte kommen. So merkt der Zuschauer, dass es sich um eine unseriöse Situation handelt, in der seriöses Handeln besonders gefragt wäre – aber die Chancen sind eher gering. Ein vorbildlicher Beitrag, der die Funktion der Sozialen Marktwirtschaft einleuchtend zeigt: Wie sie wohl wäre, gäbe es sie denn.


2. Anne Kunze
Das Geschäft mit der Angst
DIE ZEIT, Ausgabe 39/2015, 24. September 2015

Urteil der Jury: Schulden machen ist schick geworden. Spätestens seit die Europäische Zentralbank so viel billiges Geld verteilt und der Sparer ohnehin keine Zinsen mehr bekommt, sind sie salonfähig. Dass und wie von ihnen mittlerweile eine ganze Branche lebt, zeigt uns Anne Kunze in ihrem Report „Das Geschäft mit der Angst“ auf eindrucksvolle Weise. Da geht es allerdings gar nicht um die Banken, sondern um Inkassobüros, ein sich selbst erhaltendes System und die durchaus angesehenen Konzerne, die oft dahinterstecken. Dieses Stück hat alles, was guten und modernen Wirtschaftsjournalismus ausmacht: ein gesellschaftsrelevantes Thema, eine sehr facettenreiche Recherche, klare Analyse, investigative Präzision, genaue Beobachtung, verständliche Sprache und sogar ein paar Hilfestellungen für uns potenzielle Schuldner von morgen. Ein in jeder Hinsicht ausgezeichneter Report, der eine Grauzone unseres Wirtschaftssystems umfassend ausleuchtet.


3. Miriam Opresnik
Gründertagebuch: Tausche Bankjob gegen eigenen Laden
Hamburger Abendblatt, elfteilige Serie, 21. Juli 2015 bis 18. Juni 2016

Urteil der Jury: Miriam Opresnik nimmt die Leser mit ins Abenteuer Selbständigkeit. Sie beschreibt das Träumen, Planen, Hoffen und schließlich das Scheitern einer jungen Frau. Das macht sie mit viel Gefühl für ihre Hauptperson, mit viel journalistischem Gespür für die Fragen, Ängste und Hoffnungen ihrer Leser und am Ende mit sehr viel guter Information, die Lust aufs Gründen macht, auch wenn diese Geschichte nicht wie erhofft endete. Miriam Opresnik hat eine Geschichte aus der Wirtschaft verfasst, die im wahrsten Sinne des Wortes das Leben schreibt. Nah am Alltag, nah an den Bedürfnissen der Leser und mit der klaren Botschaft, dass es ein spannendes Leben jenseits des Achtstundentages gibt. Jeder sollte für diese unbequeme aber spannende Arbeit Verständnis aufbringen. Gründen macht Spaß und Gründen macht schlau. Wirtschaft ist eben nicht die Konzernbilanz, das Gerangel in der Führungsetage und der neue Supermanager: Wirtschaft betrifft uns schon, wenn wir im neuen Cafe an der Ecke einen Espresso trinken gehen. Und auch diese Geschichte vom kleinen Ladengründer um die Ecke kann man spannend erzählen.


Nachwuchspreis

Ein Recherchestipendium zum Thema "Wie Deutschland seine Bildung nach Nigeria exportiert" ging an:

Maximilian Nowroth
Der Geldchirurg
Wirtschaftswoche, Ausgabe 6/2016

Urteil der Jury: Das Thema Bankraub hat durch Maximilian Nowroth in der Berichterstattung noch einmal eine ganz neue Facette bekommen. Seine Geschichte über den Geldchirurg Frank Herzog beschreibt zum einen, dass das Thema auch im Zeitalter des Online-Bankings eine ganz reale Bedeutung hat. Und zum anderen beleuchtet der Artikel die Arbeit dahinter beziehungsweise danach, nämlich wie aus der Asche verbrannter Banknoten wieder Geld gemacht wird. Das ganze Stück ist spannend, fast schon fesselnd geschrieben, mit vielen Details, die die ungewöhnliche Arbeit des Protagonisten zeigen.

Die Friedrich und Isabel Vogel Stiftung dankt der Allianz Deutschland AG für die freundliche Unterstützung bei der Verleihung der Vogel-Preise 2016.


Über die Vergabe der Vogel-Preise entschieden 2016 folgenden Juroren: Heinrich Meyer (Herausgeber Neue Ruhr Zeitung), Hermann Neusser (Verleger des Bonner General-Anzeigers), Dr. Michael Moerchel (freier Journalist), Peter Brors (Leiter der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten), Prof. Dr. Michael Hüther (Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft), Reinhard Schlieker (Wirtschaftsredakteur ZDF) und Thomas Tuma (stellv. Chefredakteur Handelsblatt).

Leitfigur für Dr. Friedrich Vogel und seine Frau Isabel war Ludwig Erhard, dessen Idee der sozialen Marktwirtschaft der Handelsblattgründer und Journalist mit seinen Publikationen unterstützte. Darin sah er seinen Beitrag zum Wiederaufbau der durch den Krieg zerstörten deutschen Wirtschaft. Seine Ideale leben in der 1984 gegründeten Vogel-Stiftung weiter, die jährlich Wirtschaftsjournalisten für ihre beispielhaften Arbeiten auszeichnet.

Die Bewerbungen für den Vogel-Preis 2017 können ab 16. Februar 2017 wieder eingereicht werden. Bewerbungsschluss ist der 15. Juli 2017.

Pressekontakt

Matthias Dezes

Matthias Dezes

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