Gesucht: Wirtschaftsjournalismus aus der Vogel-Perspektive

Zweck der Friedrich und Isabel Vogel-Stiftung ist die Förderung der Aus- und Fortbildung von Wirtschaftsjournalisten und die Förderung von Wirtschaftskenntnissen im Journalismus. Der Stiftungszweck wird vor allem verwirklicht durch die Vergabe von Preisen für journalistische Arbeiten.

Rückkehr nach Düsseldorf und Abschied von Reinhard Schlieker:
Die Siegerinnen und Sieger des 34. Jahrgangs der Friedrich-Vogel-Preise wurden im Handelsblatt ausgezeichnet

 
Zur 34. Preisverleihung kehrte die Friedrich und Isabel Vogel-Stiftung zurück nach Düsseldorf und an die Wirkungsstätte ihres Stifters Dr. Friedrich Vogel, Gründungsverleger des Handelsblatts: Am 8. Oktober 2019 vergaben Vorstand und Kuratorium drei mit je 3.000 Euro dotierte Auszeichnungen und ein ebenfalls mit mit 3.000 Euro dotiertes Stipendium an Journalisten und Journalistinnen aus Druckmedien, Hörfunk und Fernsehen.

Die feierliche Verleihung wurde freundlich unterstützt durch die  R+V Allgemeine Versicherung AG. Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes NRW, hielt die Festrede mit dem Titel "Soziale Marktwirtschaft braucht vielfältige und freie Medienlandschaft".

Abschied nehmen musste die Jury des Vogel-Preises von Reinhard Schlieker, der mit seiner Pensionierung beim ZDF auch das Vergabekomitee der Stiftung auf eigenen Wunsch verlässt, welchem er in 15 Jahren voller Engagement für guten Wirtschaftsjournalismus seinen Stempel aufdrückte.

Foto: Michael Englert

Preisverleihung mit Thomas Tuma (Stiftungskuratorium, Handelsblatt), Dr. Daniel Pontzen (ZDF), Sönke Iwersen (Handelsblatt), Michael Haselrieder (ZDF), Jan Keuchel (Handelsblatt), Armin Laschet (Ministerpräsident NRW), René Bender (Handelsblatt), Richard A. Fuchs (Fuchsmedien, Deutschlandfunk Kultur), Hannah Steinharter und Caroline Wiemann (Nachwuchspreisträgerinnen), Volker Votsmeier (Handelsblatt) und Dr. Michael Moerchel (Stiftungsvorstand, freier Journalist) (v.li.)

 

Hörfunkpreis für Richard Anton Fuchs

Für das halbstündige Feature "Handwerker Most Wanted: Mit neuen Ideen aus der Fachkräfte-Falle", gesendet in Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, am 12. Februar 2019 um 19:30 Uhr

"Richard Anton Fuchs hat es verstanden, sein Feature über den Nachwuchsmangel im Handwerk lebendig, packend und farbig darzustellen. Er ist in die Betriebe gegangen, um zu recherchieren und hat das Gespräch mit Handwerksmeistern und Azubis gesucht. Herausgekommen ist ein Stück guten Hörfunks, das anschaulich und lebendig ein Thema behandelt, ohne langweilig zu werden. Hier mag man hinhören und bekommt nebenbei eine Menge Informationen geliefert. Der Autor ist authentisch, klar, ohne Schnörkel und stellt ein riesiges Problem des Handwerks vor, denn gerade der handwerkliche Mittelstand ist ein Standbein für unsere Soziale Wirtschaft."

Juror und Laudator: Dr. Michael Moerchel, Freier Journalist

 

Printpreis an René Bender, Sönke Iwersen, Jan Keuchel und Volker Votsmeier, alle Handelsblatt

Für die investigative Reportage "Wenn die Kontrolle versagt" über das Versagen der Compliance-Kultur von Volkswagen, erschienen im Handelsblatt 27/2019 vom 7. Februar 2019

"Artikel zu Dieselkrise und Volkswagen-Skandal gibt es viele, doch die Fragen 'Wie konnte das passieren?' und 'Warum hat die Kontrolle versagt?' blieben lange unbeleuchtet. Das Autoren-Quartett des Handelsblatts kommt zu einer überraschenden Antwort: Volkswagen hat zwar ein komplexes Regelsystem kafkaesker Ausmaße aufgebaut, um Compliance-Verstöße wie hohe Spesenrechnungen und Zahlungen auf seltsame Konten zu erkennen und zu ahnden. Aber die 'Nichterreichbarkeit von Emissionsvorgaben' ließ das System nicht anschlagen. Lakonisch tragen die Autoren Fakten zusammen und beleuchten ein Konzernversagen, welches auch externen Prüfern nicht aufgefallen ist. Der VW-Skandal ist noch lange nicht zu Ende, aber durch den nun von der Jury des Vogel-Preises ausgezeichneten Artikels ist er transparenter geworden."

Juror und Laudator: Dr. Antje Höning, Leiterin Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post

 

TV-Preis an Michael Haselrieder und Dr. Daniel Pontzen,
beide ZDF frontal 21

Für den siebenminütigen Beitrag "Steuereintreiber bei Google & Co. – Fiskus kassiert beim Mittelstand" über die – nun nicht angewandte – Praxis deutscher Finanzbehörden, die von Google & Co. geschuldete Quellensteuer von den deutschen Geschäftspartner auch nachträglich zu erheben, ausgestrahlt in ZDF frontal 21 am 19. Februar 2019 um 21:00 Uhr

"Im Februar 2019 berichten Pontzen und Haselrieder in Frontal 21 über einen auf das digitale Zeitalter zugeschnittene Versuch der Abgabeneintreibung einer Steuerbehörde: Wer als inländische Unternehmung bei Google oder anderen Großen der Digitalbranche ohne Sitz in Deutschland Werbung schaltet, soll deren Quellensteuern abführen. Damit (ent)richten kleine Firmen, was europaweit Finanzbehörden nicht lösen konnten. Und dies für sieben Jahre rückwirkend: durchaus existenzbedrohend. Dem stellen die Autoren die etwas wackelige Haltung des Bundesfinanzministeriums gegenüber, welches auf europäischer Ebene mit Blick auf die deutsche Exportorientierung den Versuch verhinderte, zumindest ein kleine Steuerschuld bei den Internetgiganten einzutreiben. Offenbar hat man aber, nicht zuletzt aufgrund der Berichterstattung, die Schwächen des Modells erkannt und wollte dann doch lieber nicht die Kühe schlachten, die dem Fiskus die Milch geben. Einen Monat später schon konnten die Autoren in einem kurzen 'Nachgehakt' das Ende des Schreckens vermelden. Ob sich eine allseits als gerecht empfundene Besteuerung der 'Milliarden-Unternehmen aus dem Silicon Valley' finden wird, mag eine andere Geschichte werden – Haselrieder und Pontzen haben jedenfalls dazu beigetragen, dass ahnungslose Mittelständler nicht zu scheiternden Steuereintreibern wider Willen gemacht wurden ..."

Juror und Laudator: Reinhard Schlieker, ehemals Zweites Deutsches Fernsehen

 

Vogel-Stipendium 2019 für Caroline Wiemann und Hannah Steinharter

"Das Friedrich und Isabel Vogel-Recherchestipendium soll es den jungen Journalistinnen ermöglichen, unter der Überschrift 'Nachhaltig und fair?' den Fragen nachzugehen, ob das Konzept der Produktion von Bioprodukten in wirtschaftlich benachteiligten Ländern funktioniert und ob die deutschen Unternehmen ihre Verantwortung dort auch wahrnehmen. Können Fairtrade-Initiativen wirklich bessere Lebensbedingungen vor Ort schaffen? Am Beispiel des deutschen Getränkeherstellers Charitea wollen Steinharter und Wiemann sich die von Charitea unterstützte Heiveld Cooperation anschauen und interessieren sich vor allem für die persönlichen Geschichten hinter der Initiative: Wie sah das Leben der Mitglieder vor Gründung der Genossenschaft aus und was hat sich durch sie verändert? Wir wünschen den beiden Journalistinnen eine erfolgreiche Reise nach Südafrika und freuen uns auf den Bericht über die Erlebnisse und Erfahrungen in Südafrika im kommenden Jahr bei der nächsten Preisverleihung."

Juror und Laudator: Dr. Michael Moerchel, freier Journalist
 

 

Die Friedrich und Isabel Vogel Stiftung dankt der R+V Allgemeine Versicherung AG für die freundliche Unterstützung bei der Verleihung der Vogel-Preise 2019.

Über die Vergabe der Vogel-Preise entschieden 2019 die folgenden Juroren: Michael Boll (Verleger des Solinger Tageblatts), Dr. Antje Höning (Wirtschaftsredaktion Rheinische Post), Heinrich Meyer (Herausgeber Neue Ruhr Zeitung), Dr. Michael Moerchel (freier Journalist), Peter Brors und Thomas Tuma (stv. Chefredakteure Handelsblatt), Dr. Ulrich Kater (Chefvolkswirt der DekaBank) und Reinhard Schlieker (Wirtschaftsredakteur ZDF).

Leitfigur für Dr. Friedrich Vogel und seine Frau Isabel war Ludwig Erhard, dessen Idee der sozialen Marktwirtschaft der Handelsblattgründer und Journalist mit seinen Publikationen unterstützte. Darin sah er seinen Beitrag zum Wiederaufbau der durch den Krieg zerstörten deutschen Wirtschaft. Seine Ideale leben in der 1984 gegründeten Vogel-Stiftung weiter, die jährlich Wirtschaftsjournalisten für ihre beispielhaften Arbeiten auszeichnet.

Bewerbungen für den Vogel-Preis 2020 können ab dem 27. Januar 2020 wieder eingereicht werden. Bewerbungsschluss ist der 17. Mai 2020.

Kontakt

Harald Schaaf

Stiftungsmanager im Deutschen Stiftungszentrum
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